Henrik Kállai

*1978 in Kerepestarcsa/Ungarn, lebt in Budapest
Maler und Medienkünstler

Kálai studierte an der pädagogischen Hochschule „Juhász Gyula“ Malerei und Medien. Neben seiner Arbeit als bildender Künstler, veranstaltet er Workshops für Erwachsene und benachteiligte Kinder. Zudem beschäftigt er sich intensiv mit dem Medium Film. Bereits in seinen ersten Dreharbeiten dokumentierte er trocken und spontan seine Romungro-Umgebung.


„Dass die Malerei ein grundlegendes Bedürfnis ist, das befriedigt werden muss, ist gleichermaßen Fluch und Segen. Ob es mir Vergnügen bereitet ? Nicht besonders, denn es macht dich zu einem Außenseiter. Byprodukt (Nebenprodukt, Beiprodukt, aber auch Ausschuss, Anmerkung des Übersetzers) ist der Titel meiner Ausstellung, da der Fokus auf dem Prozess der Malerei selbst liegt. Ich habe gelernt, dass die Essenz der Malerei in dem Akt des Malens an sich liegt. Das Gemälde als Ergebnis des schöpferischen Prozesses ist eine Art Nebenprodukt. Ich habe vor den Besuchern meiner Ausstellung gemalt, um die Wichtigkeit des Malvorgans zu illustrieren, wenn der Künstler versucht, sein Bewusstsein auszuschalten. Auch wenn das vor so vielen Menschen im Grunde nicht möglich ist. Ich male seit meiner Kindheit. Als ich etwa 13 war, fing ich an mich selst als einen Künstler anzusehen, und ich wusste, dass ich wirklich ein Künstler, ein Maler, sein würde. Als ich ein Kind in Erdökertes, einem kleinen Dorf in Ungarn, war, haben wir viel Zeit im Wald verbracht, wir sind doch herumgestromert, haben gemalt und gezeichnet. Wir haben uns vorgestellt, in der Renaissance zu leben, wir entwarfen Reiterstatuetten, modellierten Gips und kreierten Ölgemälde; alles Dinge die seltsam wirkten auf unsere Umgebung, auf die Nachbarn. Beispielsweise haben wir einmal einen unserer Bekannten an ein lebensgroßes Kreuz gebunden, um nach der Natur die Kreuzigung malen zu können. Wir waren so sehr beeindruckt von der Kunst der Renaissance, dass wir ihre Themen übernahmen – in diesem Falle Jesus am Kreuz. Dann tauchte aber plötzlich die Großmutter unseres Modells auf, sie schrie fürchterlich und bezichtigte uns der Blasphemie. Das ist nur eine von vielen Geschichten. Mit meinen Gemälden beziehe ich mich auf meine unmittelbare Umgebung; ich teile Informationen über mein Milieu, meine Welt. Ich male vor allem diejenigen, die mir nahe sind, Familienmitglieder, Menschen, die ich kenne. Es sind zwei Gemälde in dieser Ausstellung, die so persönlich und intim sind, dass ich lange mit mir gehadert habe, ob ich sie zeigen soll oder nicht."